Frage: Was hilft/stört Ihnen bei Ihrer kreativen Arbeit? Und wie haben Sie das beseitigt bzw. beseitigen möchten?
Antwort: Hier hilft mir die russische orthodoxe Kirche, gibt einen bekannten Gebetzustand. Das Gebet solcher Art entsteht auch während der Kunstaktivität, in der Malerei. Im Gemälde passiert dieselbe Liturgie, ist jedoch durch und mittels Farbe ausgedrückt. Besonders fühlt man das, wenn religiöse Themen im Bild sind.
Im Schaffen hilft noch der geliebte Mensch, der mit dir einen Lebensraum und eine Lebenszeit teilt, das ist mein Frau Natalia. Besser gesagt, sie inspiriert, sie ist die Muse – Beflügelin.
Kreative Stimmung wird bei mir nur noch durch psychologische Faktoren ruiniert, wie z.B. Beziehungsgespräche mit Verwandten. Gott sei dank, hat 2009 eine neue Lebensperiode angefangen, nach der kirchlichen Trauung mit meiner Frau sehe und spüre ich Lebensfreude, das, was ich niemals früher hatte. Das ist eine Freude menschlicher Wärme, Mitleid und Verständnis.
Frage: Welche Motive werden in Ihren Bildern dargestellt?
Antwort: Das - was mich berührt, was mir aus der Weltanschauung nah ist. Was mich bewegt. Was ich mittels der Malereisprache sagen möchte, was ich auf meinen Bildern zeige.
Ich glaube, das sind Zeichen, die auf ein bestimmtes Thema hinweisen, und zwar so, wie ich das Thema verstehe.
Es gibt Künstler, die viel Aufmerksamkeit der Salonmalerei schenken und vergessen, dass in der Kunst man sich äußern sollte, seine Auffassung zeigen, auf eigene Art die Wirklichkeit erörtern und darstellen sollte. Diese Leute wurden in ihrer Malerei zu Dienern der Besitzklasse, vergeuden sich in garantierten Motiven – in Verkaufshammern. Aber hinter diesen Hammermotiven steckt nur noch Nichts, eine leere Lücke. Noch schlimmer, wenn man als aktuelles Verkaufshit eine verdeckte Kopie vom ehemaligen Bestseller der Vergangenheit gebraucht.
Meine Motive sind vor allem – orientalisch, morgenländisch. Im Osten bin ich geboren, groß gewachsen. Die besten Lebenszeiten eines Menschen – Kindheit und Jugend – habe ich im Morgenland verbracht.
Marine, Seemotive stammen von meinem Vater. Das Meer war für meinen Vater ein unbegreifliches Element. Der Vater beschäftigte sich mit dem Meer beruflich als Marineoffizier. Ich wollte immer an einem Meer leben, sei es auch in der Stadt am kalten Meer. Ich suchte einfach ein lebendes Element, wo Lebewesen im Wasser, Fische, Möwen… Das Meer ist die Natur in einem großen Format, man kann sich mit dem Meer sein ganzes Leben lang beschäftigen.
Frage: Welchen Stil bzw. Genre bevorzugen Sie?
Antwort: Mir gefällt sehr die akademische Schule in der Malerei, die von russischen Künstlern des 19. Jahrhunderts und weiter Anfang des 20.
Was abstrakte Malerei betrifft, so kann ich sie mit einer bestimmten Musikart vergleichen. Das ist Jazz, diese Musik ist mir fremd, so wie eine Mischsuppe, man kann davon müde werden… Musik und Malerei sind wie Glieder einer Kette. Wenn du Jazz magst, magst du auch abstrakte Malerei.
Frage: Was gelingt Ihnen am besten?
Antwort: Am besten gelingt es mir, wenn ich Naturskizzen mache. Das heißt, unverblümt mit Malkasten, Leinen am Rahmen mich irgendwo hinstelle und einfach draußen male. Ich male solche Sachen sehr schnell und sehr gut. Aber ich gebe mir Mühe, nicht den leichtesten Weg zu gehen, sondern den schwierigsten. Ich will nicht von der Natur abschreiben, sondern mein eigenes Märchen schaffen. Plenair ist eine erfrischende Quelle, aber man kann damit auch ganz ertrinken. Die Mehrheiten der Kunstgalerien sind mit Plenairbildern voll gefüllt, aber das sind keine vollendeten Gemälde, sondern Abbildungen. Ein „Bild von der rechten Seite“ – ist keine Plenairskizze, sondern viel viel mehr. So, zum Beispiel der Künstler Ivanow arbeitete an dem Gemälde „Christi Erscheinung dem Volke“ im Laufe von 30 Jahren, schuf dafür mehr als 400 Skizzen. Oder ein anderes Beispiel, der russische Künstler Vasnetsov schuf für sein Bild „Drei Riesen“ sehr viele Skizzen – jedes Blümchen, jedes Grasstück, jeden Huf… Und das waren nur noch Skizzen zum Bild, von derer Menge ein Bild geschaffen worden war. Oder noch ein Beispiel von Surikov, der für das Bild „Morgen der Schützerhinrichtung“ 40 Portraits malte, es waren Skizzen. Surikov hat sie dann in eine Komposition vereinigt. Darin besteht die Arbeit an einem Bild – nicht einfache Malstudien, sondern Skizzen fürs Bild wie Frau fürs Leben.
Andererseits, wenn man keine Skizzen, Plenairstudien usw. wie sie auch immer heißen mögen, macht, ergibt sich ein Tarnungsmärchen, ein Oberflächliches. Für jedes gute Bild muss man unbedingt eine Naturmalerei ausüben, damit das Bild wirklich lebendig wird, das haucht das Leben ins Bild… So sieht ein klassischer Kanon der malerischen Ausführung – ein Gemälde braucht harte Arbeit an dem so genannten Arbeitsmaterial.
Frage: Welche menschliche Eigenschaft ist am wichtigsten beim Schaffen eines Kunstwerkes? (Konzentration, Geduld, Streben, Ehrfurcht usw.)
Antwort: Die wichtigste Eigenschaft für einen Künstler ist Geduld, Zielstrebung, Streben das von ihm Gewünschte im Bild zu schaffen, wie dem auch sei. Der Künstler soll ein ganzheitlicher Mensch sein, sich nur mit einem beschäftigen, nicht zerstreut, nicht aufgesplittert werden, sondern sich in einem Einzigen zusammenreißen.
Für jeden Künstler ist so eine professionelle Qualität wichtig wie ein „Späherauge“, das kann man nicht sofort bekommen. Um ein professionelles Auge zu schärfen, muss man Jahre daran arbeiten. Als Ergebnis bekommt ein Künstler das Vermögen, das Ganze zu fühlen, zu empfinden. Während der Arbeit am Bild ist er dann imstande, das Überflüssige wegzumalen, das Nötige zu verallgemeinern, etwas zu unterstreichen, das Andere zu verstärken usw. Dadurch wird die Form mehr kugelig und voluminös.
Das Erfassen des Ganzen ist sehr wichtig für einen Künstler, eine Breite und keine Stickerei der Bagatelle. Es ist wichtig, wenn Künstler die große Form sieht, sie handhaben kann und nur noch kleine Details ganz vorsichtig ausbessert. Es ist sehr wichtig, wenn Künstler das künftige Bild in Skizzen und Studien im Format sehen kann, sich das Bild vor dem inneren Auge völlig und ganz vorstellen kann.